| Diese kumulative Dissertation behandelt die Frage, welche
Individualmerkmale für die Entscheidung zwischen allgemein- und
berufsbildender Ausbildung bei den Übertritten Sekundarstufe I–
Sekundarstufe II und Sekundarstufe II–Tertiärstufe relevant
sind. Der Autor nutzt Querschnittdaten aus dem Projekt OEKOMA
und Längsschnittdaten aus dem Projekt WiSel (vgl. div. SKBF-Einträge). Beim Übergang in die Sekundarstufe II zeigt sich in
der 1. Studie, dass Deutsch- und Mathematikleistungen positiv
mit dem Übertritt in das allgemeinbildende Gymnasium
zusammenhängen. Eltern- und Lehrpersonenerwartungen mediieren
diesen Effekt partiell. Die 2. Studie zeigt, dass sich
leistungsstarke Kinder mit praktisch-technischen und sozialen
Interessen unter Kontrolle von Leistung, Geschlecht und sozialer
Herkunft mit höherer Wahrscheinlichkeit für den berufsbildenden
Weg entscheiden. In beiden Studien zeigen sich soziale
Herkunftseffekte: Kinder und Jugendliche mit höherem
sozioökonomischem Status wechseln eher in ein Gymnasium. Am Ende
der Sekundarstufe II finden sich kaum noch Herkunftseffekte in
Bezug auf Leistungen (3. Studie), sondern viel eher Effekte des
gewählten Schulprofils. Gleichzeitig wirkt sich der familiäre
Bildungshintergrund aus. Diejenigen mit berufsbildendem
Hintergrund entscheiden sich eher für die Berufsmaturität,
solche aus einem akademischen Haushalt eher für das Gymnasium.
Beim Übergang in die Tertiärstufe (4. Studie) zeigen sich für
Berufsmaturandinnen und -maturanden keine Herkunftseffekte,
sondern Effekte domänenspezifischer Kompetenzen (vgl. SKBF
17:084). Insgesamt zeugen die Befunde davon, dass Jugendliche,
die sich gemäss ihren Fähigkeiten und Interessen sowie ihrem
kulturellen Habitus eher als passend zur berufsbildenden (bzw.
akademischen) Umwelt empfinden, häufiger diese Umwelt aufsuchen.
Dies spricht dafür, insbesondere die Berufsbildung so zu
gestalten, dass diese mit anspruchsvollen Ausbildungswegen eine
attraktive Alternative zur Allgemeinbildung bietet. So stünden
für unterschiedlich interessierte und begabte Jugendliche
gleichwertige Ausbildungswege zur Verfügung. |
| Berufsbildung, berufliche Grundbildung, Bildungsübergang,
Übertritt, Nahtstelle, soziale Herkunft,
Bildungssystem, Leistung, Passung, berufliche Interessen,
Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Tertiärstufe, Studium,
individuelle Bildungsentscheidungen
|
| formation professionnelle, formation professionnelle initiale,
transition de formation, passage, transition, origine sociale,
système de formation, performance, adéquation, intérêts
professionnels, degré secondaire I, degré secondaire II, degré
tertiaire, études, décisions individuelles de formation |
Jüttler, A. (2023). Berufsbildung oder Allgemeinbildung? Die
Rolle von Leistung, Interesse und sozialer Herkunft beim
Übergang von der Schule in Ausbildung und Studium (Dissertation,
Universität Konstanz). https://kops.uni-konstanz.de/server/api/core/bitstreams/4b17c15c-e82c-4b10-937b-c7eae72fbbd2/content
Teilergebnisse der Dissertation wurden in folgenden
Publikationen veröffentlicht:
Findeisen, S., Jüttler, A., Neuenschwander, M.P. & Schumann, S.
(2022). Transition from school to work – Explaining persistence
intention in vocational education and training in Switzerland.
Vocations and Learning 15, 129–154.
https://doi.org/10.1007/s12186-021-09282-4
(vgl. SKBF 23:064)
Jüttler, A., Schumann, S., Neuenschwander, M.P. & Hofmann, J.
(2020). General or vocational education? The role of vocational
interests in educational decisions at the end of compulsory
school in Switzerland. Vocations and Learning, 14,115–145.
https://doi.org/10.1007/s12186-020-09256-y
Neuenschwander, M. P., Hofmann, J, Jüttler, A. & Schumann, S.
(2018). Professional desires and career decisions: Effects of
professional interests, role models, and internship in lower
secondary school. International Journal for Research in
Vocational Education and Training, 5(3), 226–243.
https://doi.org/10.13152/IJRVET.5.3.5 (vgl. SKBF 19:092 und
24:065)
Neuenschwander, M. P., Fräulin, J., Schumann, S. & Jüttler, A.
(2018). Gymnasium oder Berufsausbildung? Zur Vorhersage der
Bildungsentscheidung in der Sekundarstufe II durch
Schülerleistungen sowie Leistungserwartungen von Lehrpersonen
und Eltern in der Primarschulzeit. Zeitschrift für Soziologie
der Erziehung und Sozialisation, 38(4), 364–382 (vgl. SKBF
19:092)
Jüttler, M., Jüttler, A., Eberle, F., & Schumann, S. (2016).
Work or university? Economic competencies and educational
aspirations of trainees with hybrid qualifications in
Switzerland. Empirical Research in Vocational Education and
Training, 8(6).
http://dx.doi.org/10.1186/s40461-016-0032-1 (vgl. SKBF 17:084)
Jüttler, A. & Schumann, S. (2016). Effects of students’
sociocultural background on economic competencies at the end of
upper secondary education. In E. Wuttke, J. Seifried & S.
Schumann (Hrsg.), Economic competence and financial literacy of
young adults: Status and challenges. Research in Vocational
Education (Vol. 3) (S. 121–148). Barbara Budrich.
|