Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

SKBF-CSRE Bildungsbericht 2010 DE

77 Bildungsbericht Schweiz | 2010 Vorschul- und Primarstufe Effektivität Kinder die im jeweiligen Lehrplan vorgesehenen Ziele. Die Studien verwei- sen jedoch auch auf die Problematik der Leistungsvielfalt, die für Lehrperso- nen im Fremdsprachenunterricht eine besondere und zum Teil noch nicht bewältigte Herausforderung darstellt, was sich bei einem Teil der Kinder als Unter- oder Überforderung manifestiert. Die längsten Erfahrungen mit frühem Fremdsprachenunterricht haben französischsprachige Kantone, darunter Genf. Dort wurde mit Blick auf die im EDK-Sprachenkonzept vorgesehenen Ziele, die sich am «Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen» (GER) orientieren, eine Standortbestim- mung gemacht (Schwob 2008). Zwar erreichten am Ende der Primarschule 84% der Lernenden die Lernziele in der Fremdsprache Deutsch. Der Lehr- plan orientiert sich jedoch (noch) nicht am GER. In zwei weiteren Tests, die durchgeführt wurden und die dem künftig geforderten Lernziel (Niveau A1 gemäss GER) entsprechen, erreichten nur 74% bzw. 72% der Schülerinnen und Schüler das Ziel. Nach Einschätzung der befragten Lehrpersonen ist eine der Voraussetzungen, um bis 2010 den Soll-Zustand zu erreichen, eine bessere Qualifikation der Unterrichtenden. Nach ihrer Selbsteinschätzung haben fast 40% der Lehrpersonen Schwierigkeiten, das seit 2007 geltende Mindestniveau für das Erteilen von Fremdsprachenunterricht zu erreichen (Niveau B2 gemäss GER) ( Grafik 41). Zur bildungspolitisch umstrittenen Frage, ob zwei Fremdsprachen auf der Primarschulstufe für die Lernenden verkraftbar seien, wurden mehrere Gut- achten erstellt, welche die Verkraftbarkeit zwar bestätigten, aber auch auf die Notwendigkeit der besonderen Berücksichtigung von schwächeren Schü- lerinnen und Schülern, der Binnendifferenzierung, des altersgemässen und den Vorerfahrungen angepassten Unterrichts und der entsprechenden Aus- bildung für die Lehrpersonen verwiesen (Brohy 2002; Stern 2002; Elmiger 2006). Empirische Ergebnisse liegen auch aus Schulversuchen mit frühem zwei- sprachigen Unterricht vor. Sie zeigen, dass der immersive fremdsprachige Unterricht erfolgreich ist, keine negativen Auswirkungen auf die Kompe- tenzen in der Schulsprache zeitigt und auch nicht auf Kosten der Sachkennt- nisse geht (Brohy 2004; Schwob & Ducrey 2006). In der Zentralschweiz, wo die Wirksamkeit des Fremdsprachenunterrichts auf der Primarstufe im Rah- men einer Längsschnittstudie untersucht wird, konnte nachgewiesen wer- den, dass die Einführung von Englischunterricht in der dritten Primarklasse keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des Leseverständnisses in Deutsch hat, auch nicht für mehrsprachige Kinder mit Migrationshinter- grund oder leistungsschwächere Kinder (Haenni Hoti & Werlen 2007). Wirksamkeit von Sprachförderprogrammen Zur Wirksamkeit von Programmen zur Sprachförderung auf der Vorschul- und Primarschulstufe liegen nur wenig empirische Untersuchungen vor. Als gut belegt können Effekte der Förderung von phonologischer Bewusstheit auf Rechtschreibung und Aspekte der Leseleistung gelten, sowohl bei Kin- dern, deren Muttersprache der Schulsprache entspricht, wie auch bei Kin- dern mit anderer Erstsprache. Für letztere genügt die Förderung der phono- logischen Bewusstheit allerdings nicht, es sind zusätzliche Massnahmen z.B. zur Wortschatzerweiterung und zum Ausbau der Grammatik notwendig. 41 Selbstbeurteilung Deutsch, Primarlehrpersonen, Genf, 2007 Daten: Schwob 2008 % % % % % % Schw bedin guteB Schreiben Sprechen Lesen Hörverstehen gute Beherrschung bedingte Beherrschung Schwierigkeiten