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SKBF-CSRE Bildungsbericht 2010 DE

skbf | csre Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung 90 Kontext Sekundarstufe I Kontext Die Sekundarstufe I wird in den kommenden Jahren stark von demografi- schen Verschiebungen betroffen sein. Die Schülerbestände der Volksschule werden in der Schweiz bis 2017 im Landesmittel um ca. 14% zurückgehen, auf der Sekundarstufe I um gut 12% ( Grafik 53). Die Differenzen zwischen den Kantonen sind hierbei allerdings beträchtlich: sieben ländliche Kantone der Deutschschweiz mit mehr als 20% Rückgang der Schülerzahlen stehen Zürich, Genf und Zug mit einer kleinen Zunahme der Bestände gegenüber. In den Kantonen selbst kann zudem festgestellt werden, dass dieRegionen und Gemeinden unterschiedlich stark vom Schülerrückgang betroffen sein werden. Viele periphere Schulstandorte werden, im Vergleich mit dem kan- tonalen Durchschnitt, nochmals eine überdurchschnittliche Abnahme ver- zeichnen. Eine Trendumkehr ist für die Sekundarstufe erst nach 2017 zu er- warten, als Folge der ab 2013 für die Primarstufe prognostizierten Zunahme der Schülerbestände (bis 2017 etwa 3%, BFS 2008b). Diese Zunahme wird die Abnahme in den vorhergehenden Jahren aber bei weitem nicht kompensie- ren. Die Abnahme der Anzahl Schülerinnen und Schüler ist mehr als eine zyklische Schwankung. Die Schülerzahlen werden durch den demografi- schen Wandel auf tieferem Niveau recht stabil bleiben. Demografische Folgen Als primäre Folge der demografischen Entwicklung ist zu erwarten, dass auf der Sekundarstufe I die Klassengrössen sinken. Erst danach werden Klassen oder Schulen zusammengelegt oder müssen gar geschlossen werden. Somit ist mit frei werdenden Finanz- und Personalressourcen erst ab einem späte- ren Zeitpunkt zu rechnen. Ob diese Ressourcen eingespart, innerhalb des Bildungswesens umge- teilt oder vom Bildungswesen zu anderen Leistungsbereichen des Gemein- wesens verschoben werden (letzteres z.B. aufgrund der Alterung der Be- völkerung und des politischen Einflusses der älteren Personen), ist zudem eine offene Frage (Grob & Wolter 2007). Den kantonalen Bildungsbehörden sind die demografischen Veränderungen seit längerem bekannt, und in einigen Kantonen sind schon entsprechende Massnahmen im Umgang mit dem Rückgang der Schülerzahlen geplant und vorbereitet worden. Besonders betroffen sind ländliche Schulen mit Rück- gängen bei den Schülerbeständen von einem Fünftel bis einem Viertel, ver- glichen mit den Höchstbeständen. Da die Aufrechterhaltung von kleinen und kleinsten Schulen einen sehr grossen Infrastrukturaufwand verlangt, sind viele Schulen in ihrer Existenz bedroht, d.h. die Zusammenlegung von Klassen oder die Reduktion in den Klassengrössen werden nicht ausreichen, um diese Schulen weiterhin betreiben zu können. Auch stellt der Schüler- rückgang die mehrgliedrigen Systeme vor grosse Herausforderungen. In der verbreiteten gegliederten Struktur der Sekundarstufe I mit zwei oder drei getrennt geführten Schultypen werden Klassenzusammenlegungen noch stärker erschwert werden. Strukturelle Anpassungen wie die Bildung einer kooperativenoderintegriertenOberstufe( Institutionen, Seite 92) bzw.von Mehrklassenschulen schaffen eine Voraussetzung für den Erhalt eines Schul- 53 Prognostizierte Veränderungen der Schülerzahlen für die Sekundarstufe I, 2007–2017 Daten: BFS - % - % - % % % Wenn es um die Zusammenlegung von Schulen geht, ist die Befürchtung zu vernehmen, dass sich in grossen Schulen Anonymität sowie Mangel an Zusammen- halt und Respekt ausbreiteten und dies zu sozialen Störungen und individueller Verantwortungslosigkeit führe. Zu dieser Problematik sind vor allem Studien aus dem angelsächsischen Raum bekannt, die alle besagen, dass kleinere Schulen in der Regel weniger soziale Probleme hätten und bessere Resultate erzielten. Diese Studien sind nur bedingt auf Schweizer Verhältnisse übertragbar, denn Schulein- heiten in der Schweiz zählen selten mehr als 500 Schülerinnen und Schüler und sind laut diesen Studien bereits kleine Schulen (Leithwood & Jantzi 2009).